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18

Feb. 2020
Meistgelesen

ZH - Klinik Hirslanden: Der Prügelknabe hat sich gewandelt

Neue Zürcher Zeitung, 18.02.20

Die Klinik Hirslanden war den Linken lange ein Dorn im Auge – nun sind die Kritiker positiv überrascht.

SCHWEIZ SEITE 13

Der Anteil der Privatpatienten ist bei den Hirslanden-Kliniken stark gesunken

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ZÜRICH UND REGION SEITE 17

Der Prügelknabe hat sich gewandelt

Die Klinik Hirslanden war den Linken lange ein Dorn im Auge – nun sind die Kritiker positiv überrascht.

Jan Hudec

Die Zürcher Privatklinik Hirslanden war jahrelang der Prügelknabe der Politik. Nicht nur von links, sondern auch aus der politischen Mitte schlug ihr ein eisiger Wind entgegen. Schon die Aufnahme auf die kantonale Spitalliste 2012 wurde scharf kritisiert. Mit ihrem hohen Anteil an Privatpatienten habe sie kein Anrecht auf Staatsbeiträge, lautete der Tenor. Als in den folgenden Jahren die Gewinne steil anstiegen, kochte auch die Wut hoch. Ihren Höhepunkt erreichte sie 2017. Hirslanden hatte im Jahr zuvor über 40 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftet, während das Stadtspital Triemli fast 30 Millionen Verlust gemacht hatte.

Der SP-Kantonsrat Markus Späth brachte die Befindlichkeit in einer Fraktionserklärung mit dem Titel «Gnueg Heu dunne» auf den Punkt. Hirslanden betreibe eine Politik der Rosinenpickerei, weil sich die Klinik auf die lukrative Behandlung von Privatpatienten konzentriere. Die Staatsbeiträge flössen indessen «praktisch direkt» in die Tasche südafrikanischer Grossaktionäre. Auch bei Hirslanden schreckte man nicht vor Provokationen zurück. So bot der damalige CEO Ole Wiesinger der Stadt Zürich im März 2017 an, die Führung des finanziell angeschlagenen Triemlispitals zu übernehmen. Hirslanden wolle dazu beitragen, dass Zürich nicht jedes Jahr gewaltige Steuermittel in seine Spitäler stecken müsse, zitierte ihn die «NZZ am Sonntag».

Kein Wunder, wurden bei dieser Gemengelage Forderungen laut, Hirslanden an die Kandare zu nehmen oder ganz von der Spitalliste zu streichen. Zwei Massnahmen stachen heraus. Die erste stammte vom Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (fdp.). Der Regierungsrat wollte eine Abgabe auf die Behandlung von Privatpatienten einführen, die praktisch auf das Privatspital zugeschnitten war. Diese «Lex Hirslanden» scheiterte im Rat an den Bürgerlichen.

Die verblüffenden Zahlen

Noch hängig sind indes zwei parlamentarische Initiativen, die eine Mindestquote von Grundversicherten fordern. Wer die Quote nicht erfüllt, soll von der Spitalliste fliegen und keine Staatsbeiträge mehr erhalten. Im Vorstoss von Lorenz Schmid (cvp., Männedorf) waren es mindestens 51 Prozent, in der Version von Kathy Steiner (gp., Zürich) waren es gar 60 Prozent Grundversicherte. Als die Vorstösse 2017 vom Parlament vorläufig unterstützt wurden, war Hirslanden mit einem Grundversichertenanteil von einem guten Viertel weit entfernt von diesen Quoten. Noch im vergangenen Mai fragte Schmid in einer Parlamentsdebatte, warum ein Spital mit einem solchen Geschäftsmodell überhaupt auf der Spitalliste toleriert werde.

Was fast unbemerkt geblieben ist: Hirslanden hat sich stark gewandelt. Von der rasanten Veränderung zeugen die Geschäftszahlen, die im neusten Gesundheitsversorgungsbericht des Kantons zu finden sind. 2018 hat das Spital im stationären Bereich gegenüber dem Vorjahr fast 800 Patienten verloren, was einem Minus von über 4 Prozent entspricht. Zwar mussten auch andere Spitäler Federn lassen, so hart traf es unter den grossen aber niemanden. Zugleich kürzte die Klinik beim Personal, 130 Vollzeitstellen verschwanden gegenüber 2017, was einem Minus von 9,4 Prozent entspricht. Selbst beim Zürcher Stadtspital Waid, das seit Jahren rote Zahlen schreibt und bei dem selbst die Stadt einräumt, dass der Personalbestand zu hoch ist, wurden nur gut 3 Prozent der Vollzeitstellen gestrichen.

Die politisch brisanteste Zahl ist aber eine andere. Die Klinik, die einst fast ausschliesslich Privatpatienten behandelte, hatte 2018 nur noch einen Anteil von 65 Prozent an Privatversicherten. Die Zahlen für das letzte Jahr liegen noch nicht vor, doch auf Anfrage sagt man bei Hirslanden, dass sich der Trend fortsetze. Das Spital nähert sich also von selbst der politisch geforderten Quote an.

Einer der wichtigsten Treiber für die Veränderungen sind die neuen Auflagen des Kantons. Seit 2018 dürfen 16 Eingriffe – darunter die Entfernung von Krampfadern oder Mandeln – nur noch ambulant durchgeführt werden. Den Rückgang bei den stationären Patienten erklärt Hirslanden denn auch in erster Linie mit dieser Verlagerung in den ambulanten Bereich.

Das stellt Hirslanden vor ein Problem. Stationäre Eingriffe – insbesondere bei Privatpatienten – sind lukrativ, im ambulanten Bereich sieht es ganz anders aus. Der Verband der Zürcher Krankenhäuser hat errechnet, dass die ambulanten Behandlungen für die Spitäler nur zu 80 Prozent kostendeckend sind – sprich, sie bezahlen bei jeder Behandlung drauf.

Auf diese Entwicklung hat Hirslanden reagiert, indem es kräftig in den ambulanten Bereich investiert. Das mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, hat aber seine Logik. Der Trend in Richtung ambulant ist Tatsache, dem kann sich kein Krankenhaus widersetzen. Entscheidend ist, dass man den ambulanten Bereich vom stationären trennt und auf maximale Effizienz trimmt. Hirslanden versucht dies mit seinen zwei neuen ambulanten Operationszentren im Kanton. Zudem hat das Unternehmen mit Daniela Centazzo eine Pionierin für ambulantes Operieren an Bord geholt. Der COO Stephan Pahls ist deshalb durchaus optimistisch: «Wenn man genug hohe Fallzahlen hat, dann kann man auch mit den heutigen Tarifen kostendeckend arbeiten oder sogar eine kleine Marge machen.» Die derzeitigen Tarife hält er gleichwohl für zu tief, da mit ihnen die Weiterbildung von jungen Ärzten nicht finanziert werden könne.

Der politische Druck wächst

Den Wegfall bei den stationären Patienten versucht Hirslanden mit einer stärkeren Spezialisierung zu kompensieren, «wir konzentrieren uns auf die schweren Fälle», sagt Pahls. Damit sinkt automatisch auch die Zahl der Privatversicherten und gleicht sich allmählich dem Wert anderer Spitäler an. Solange diese Entwicklung kontinuierlich verlaufe, sei dies finanziell kein Problem, sagt Pahls. Nach dem Taucher 2018 sei man 2019 wieder gut unterwegs gewesen.

Kathy Steiner war stets eine der härtesten Kritikerinnen der Hirslanden-Klinik. Heute sagt sie: «Ich bin positiv überrascht von der Entwicklung.» Die Führung bemühe sich, auf der Spitalliste zu bleiben. Die Veränderungen führt Steiner auch auf den politischen Druck zurück. «Nun zeigt sich, dass unsere Forderungen nach einer höheren Quote von Allgemeinversicherten gar nicht so utopisch waren, wie Kritiker damals meinten.»

Steiner ist vergangene Woche aus dem Kantonsrat zurückgetreten, ihre Nachfolger würden aber an der Quotenregelung festhalten. Dabei ist ihr der genaue Wert weniger wichtig als das Prinzip: «Wer Staatsbeiträge bekommt, sollte auch einen Dienst für die Allgemeinheit erbringen.» Wenn Hirslanden die Vorgaben aber erfülle, gebe es auch keinen Grund, die Klinik von der Spitalliste zu streichen, «medizinisch wird dort ja gute Arbeit geleistet».

Für die Klinik ist es klar das Ziel, weiter Leistungsaufträge vom Kanton zu erhalten. «Es ist richtig, dass wir auf der Spitalliste sind, wir sind versorgungsrelevant», sagt Pahls. Ohne die Hirslanden-Klinik bestünde im Kanton ein Engpass unter anderem in der Herzmedizin und der Neurochirurgie. «Wir haben uns in den vergangenen Jahren immer stärker als Zentrumsspital positioniert.» Das sei ja auch ihr Auftrag als Listenspital.

Dass sich Hirslanden strategisch neu ausrichtet, davon zeugt auch die Zusammenarbeit mit der Medbase-Gruppe. Die Migros-Tochter betreibt rund 50 Praxiszentren in der Schweiz. In dieser Kooperation sollen beide Seiten vom Know-how und von gegenseitigen Zuweisungen profitieren. Gemeinsam will man aber auch die Qualität verbessern. In Indikationsboards sollen mehrere Ärzte gemeinsam darüber befinden, welche Behandlung die sinnvollste ist. «Wir wollen damit auch dem Vorwurf der Mengenausweitung und Überbehandlung begegnen.» Von der Zusammenarbeit profitiere der Patient auch deshalb, weil er alles aus einer Hand erhalte und Doppeluntersuchungen entfielen.

Gemeinsam mit Versicherungen arbeitet Hirslanden zudem an der Entwicklung neuer Versicherungsprodukte, um Privatpatienten auch im ambulanten Bereich etwas Besonderes bieten zu können. Bei einem ambulanten Eingriff werden Privatpatienten heute nämlich gleich behandelt wie Allgemeinversicherte.

«Es ist richtig, dass wir auf der Spitalliste sind, wir sind versorgungsrelevant.»
Stephan Pahls, COO Hirslanden-Gruppe

Auch bei der Klinik Hirslanden geht der Trend in Richtung ambulante Operationen. ANDREAS BODMER / NZZ

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Immer weniger Privatpatienten


Schlagzeilen

Immer weniger Schweizer Ärztinnen und Ärzte in der Psychiatrie

SRF 1, 17.02.20

Schweiz steht nur auf der Verpackung

Tages-Anzeiger, 18.02.20

Vieillesse et bonne santé ne sont de loin pas incompatibles

Radio RTS La 1ère, 17.02.20

SG: Erstmals alle vier Spitalverbunde im Minus

St. Galler Tagblatt Gesamt, 18.02.20

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